Symposium: Industrie Großstadt Architektur
10.11.2025
Melina Beierle
Das Union-Verwaltungsgebäude ist ein architektonisches Schwergewicht im Herzen Dortmunds – und ein bedeutendes Zeugnis der industriellen Vergangenheit der Stadt. Wie kein anderes Bauwerk spiegelt es die einstige Größe der Stahlindustrie wider und prägt mit seiner monumentalen wie modernen Gestaltung bis heute das Stadtbild.
Nach Jahren des Leerstands hat die Stadt Dortmund nun die Initiative ergriffen, das denkmalgeschützte Gebäude zu sichern, zu sanieren und einer neuen Nutzung zuzuführen. Damit beginnt ein spannender Prozess der Transformation – zwischen Erhalt, Innovation und Zukunftsgestaltung. Was sind Herausforderungen und Potenziale des Gebäudes? Danach fragte das Symposium “Industrie Großstadt Architektur – Das Verwaltungsgebäude der Dortmunder Union” am 18. November im Baukunstarchiv NRW.
Diese Veranstaltung widmete sich den besonderen Qualitäten und der historischen Bedeutung des Union-Verwaltungsgebäudes. Fachvorträge beleuchteten seinen architektonischen und städtebaulichen Kontext, ordneten es in die Geschichte der Stadt ein und warfen darüber hinaus einen Blick auf vergleichbare Projekte in Düsseldorf und Hannover, die sich an unterschiedlichen Punkten ihrer eigenen Sanierung befinden. Zum Thema ist auch ein Buch im Verlag Kettler erschienen. Mehr Informationen dazu finden Sie unter: www.dortmund.de
„Die Inhalte der Ausstellung beruhen auf dem `Farbenbuch´“, erklärte Dr. Juraj Lipscher (Kuratorenteam, alataverlag Elsau). Die Publikation sei 2022 erstmalig im alataverlag Elsau (Schweiz) erschienen und weist neben teilweise historischen Geschichten auch Forschungsergebnisse zu über 300 Pigmenten und Farbstoffe auf; auch mit detaillierten Einblicken in die Kunstgeschichte und Verwendung von Farben in der Architektur.
Hanspeter Schneider (Kuratorenteam, alataverlag Elsau) führte fort: „Jede Farbe hat eine Geschichte“, und diese gäbe es nun auch in der Ausstellung zu entdecken.
Beispiel aus Kunst und Bau
In „Farbwelten“ werden prominente Beispiele gezeigt, die den Einsatz von Farbe, auch in der Kunst, weiter auffächern – von der Höhlenmalerei bis in die Moderne – darunter Vincent van Goghs „Selbstporträt“, 1888; oder auch Vincent van Goghs „Sternennacht“, 1889 – immer auch mit Hintergrundinfos. „Die Ausstellung zeigt auch, wie sich Farben und ihr Einsatz im Laufe der Zeit entwickelt haben“, so Dr. Konrad Scheurmann (Kuratorenteam). Auch aktuelle Herstellungsprozesse von Pigmenten und neue Anwendungsgebiete werden präsentiert.
Farbe formt unsere Umwelt und ist auch in der Architektur von großer Bedeutung, ergänzte Markus Lehrmann im Rahmen der Ausstellungseröffnung. Lehrmann verwies dabei auch auf Le Corbusiers sogenannte „Polychromie Architecturale“ (ab 1931). Der Einsatz von Farbe in der Architektur habe demnach ästhetische sowie besondere funktionale und psychologische Eigenschaften.
Am Beispiel der „Hufeisensiedlung“ des Architekten Bruno Tauts in Berlin (1920er-Jahre) zeigte Janine Hainbach von der TU München zudem ein prominentes Beispiel aus der Praxis, das auch gegenwärtig noch vielfach diskutiert wird.
„Farbe macht glücklich!“, führte Elisabeth Brockmann fort. Die Düsseldorfer Künstlerin gab im Rahmen der Vernissage in Dortmund Einblicke in ihrer Arbeit mit, an und in Gebäuden – und machte dabei deutlich, wie der Einsatz von Farbe und Farbreflexionen den Raum und die Architektur formen kann.
Doch: Wie wird Farbe in der Planung von Gebäuden und Projekten heute eingebunden? – Danach fragte Dr. Konrad Scheurmann. In einer offenen Diskussionsrunde waren sich die Redner*innen der Ausstellungseröffnung einig: Der bewusste und gleichzeitig behutsame Umgang mit Farbe in der Architektur und im Stadtraum sei auch gegenwärtig wichtig: „Farbwelten“ könne dazu neue Impulse liefern.
Die Ausstellung „Farbwelten“ ist bis zum 14.12.2025 im Gartensaal des Baukunstarchivs NRW in Dortmund (Ostwall 7, 44135 Dortmund) zu sehen. Publikation zur Ausstellung: „Das Farbenbuch“ (alataverlag, 2022).