Geschichte
Das Gebäude am Dortmunder Ostwall hat eine besondere Geschichte: vom Landesoberbergamt über das Museum am Ostwall bis zum heutigen Baukunstarchiv NRW. Als einer er ältesten Profanbauten der Innenstadt und mit seinem historischen Lichthof ist das Baukunstarchiv NRW ein wichtiges Zeugnis Dortmunder Baukultur.
Das Baukunstarchiv NRW öffnete am 4. November 2018 seine Türen. Sitz wurde das frühere „Museum am Ostwall“ in Dortmund. Das Bauwerk erfuhr damit eine (weitere) Umnutzung – und blickt auf eine wechselvolle Geschichte zurück.
Einblicke in die Historie des Hauses können Sie auch vor Ort in unseren Dauerausstellungen „Das Haus am Ostwall 7“ sowie in der „Leonie Reygers Lounge“ entdecken. Wir freuen uns auf Ihren Besuch!
Vom Landesoberbergamt zum Kunstmuseum
Errichtet wurde das Bauwerk am Rande der Dortmunder Innenstadt von 1872 bis 1875 als Landesoberbergamt nach einem Entwurf des Berliner Architekten Gustav Knoblauch. Nach einem Umbau nach den Plänen des Stadtbaurats Friedrich Kullrich beherbergte es ab 1911 die städtische Sammlung des 1883 gegründeten Museums für Kunst und Kulturgeschichte.
Nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges gab es in Dortmund keinen Ort für die städtischen Kunstsammlungen. Der Rat der Stadt beschloss 1947, einen Museumsneubau zu errichten. Die Besonderheit: Das Bauwerk sollte auf Basis der vorhandenen Gebäudereste des früheren Landesoberbergamtes erbaut werden, auch mit Einbindung des sogenannten „Lichthof“ mit der originalen Konstruktion der Lichtdecke. Der Lichthof im heutigen Baukunstarchiv NRW ist damit der älteste Veranstaltungssaal Dortmunds und der einzige überlebende Kulturbau in Dortmunds Innenstadt aus der Kaiserzeit.
Die Verbindung eines modernen Bauwerks mit der historischen Bausubstanz sollte einen einzigartigen Ort schaffen, an dem die von den Nationalsozialisten verfemte Kunst der Moderne ebenso präsentiert werden konnte, wie auch die Arbeiten von Dortmunder Künstlerinnen und Künstlern.
Das Haus wurde dann 1947 bis 1949 unter Mithilfe von Dortmunder Bürgern ohne öffentliche Gelder wiederhergerichtet.
Unter der Leitung von Gründungsdirektorin Leonie Reygers entwickelte das „Museum am Ostwall“ ab 1949 international beachtete Ausstellungen und baute systematisch als eines der ersten deutschen Nachkriegsmuseen eine Sammlung für die Kunst des zwanzigsten Jahrhunderts auf.
Im Zuge der Innenstadtentwicklung und der Kulturhaupstadt Ruhr.2010 wurde das Museum am Ostwall in das neue Kulturzentrum „Dortmunder U“ verlegt. Das Gebäude am Ostwall 7 stand in der Folge leer.
Das Baukunstarchiv NRW – eine neue Ära
Nach Leerstand folgte die Umnutzung: Das Angebot der Stadt Dortmund, das geschichtsträchtige Bauwerk am Ostwall 7 nutzen zu können, ebnete den Weg für ein wichtiges baukulturelles Projekt. Im Januar 2016 gründeten die Architektenkammer Nordrhein-Westfalen, die Ingenieurkammer-Bau NRW, die Stiftung Deutscher Architekten und der Förderverein für das Baukunstarchiv NRW e. V. die „Baukunstarchiv NRW gGmbH“. 2018 konnte die Eröffnung des Baukunstarchivs NRW mit Akteur*innen der Baukultur sowie Dortmunder Bürger*innen festlich begangen werden.
Das Baukunstarchiv NRW sichert und dokumentiert seither Nachlässe aus den Bereichen Architektur, Innenarchitektur, Landschaftsarchitektur und Städtebau sowie der Ingenieurbaukunst, arbeitet das Material wissenschaftlich auf und macht es sowohl der Forschung als auch der interessierten Öffentlichkeit zugänglich – unter anderem durch vielfältige, kostenfreie Ausstellungsangebote. (Mehr dazu unter „Baukunst im Archiv“).
Historische Details und Bauforschung
Intensive Recherchen am Lehrstuhl für Geschichte und Theorie der Architektur an der Fakultät Architektur und Bauingenieurwesen der TU Dortmund förderten Erstaunliches – ja sogar Unglaubliches – zu Tage. Ein 2014 im Klartext Verlag erschienenes Buch von Sonja Hnilica beleuchtet die Geschichte des alten Museums am Ostwall. Wir zitieren daraus einige zentrale Erkenntnisse:
- „Da 80% der heutigen Bausubstanz – aufgehendes Mauerwerk bis zum Dach – von 1875 stammen, handelt es sich bei dem Alten Museum am Ostwall um das älteste Profangebäude der Dortmunder Innenstadt. Kein nichtsakrales Haus auf dem Gebiet des mittelalterlichen Dortmund ist älter als dieses Haus.
- Der bis auf einige Marmorplatten und Stuckkapitelle völlig erhaltene Lichthof des Alten Museum am Ostwall ist nicht nur der einzige erhaltene Versammlungsraum des Stadtbaumeisters Kullrich, sondern auch der einzig erhaltene öffentliche Innenraum der Kaiserzeit in Dortmund.
- Mit seinem Umbau 1911 vom Oberbergamt zum städtischen Museum für Kunst und Kunstgewerbe stellt das Alte Museum am Ostwall den ältesten und prominentesten Zeugen des Strukturwandels im Ruhrgebiet vom Bergbau zur Kultur dar – schon 100 Jahre vor der europäischen Kulturhauptstadt Ruhr.2010.
- Mit der auch heute noch dem Bau ablesbaren Umformung durch Leonie Reygers ist der Bau als erstes nach dem Krieg neu eingerichtetes Museum für moderne Kunst in Deutschland ein einmaliges Zeugnis für den kulturellen Neubeginn in einer demokratischen Gesellschaft nach der nationalsozialistischen Herrschaft.“
(aus: Das Alte Museum am Ostwall, Sonja Hnilica)
Die Betreiber des Baukunstarchivs NRW sind stolz und glücklich, dass bei den Revitalisierungsmaßnahmen des Gebäudes in den Jahren 2017/2018 diese baukulturellen Zeugnisse weitestgehend erhalten werden konnten. Überzeugen Sie sich selbst bei einem Besuch im Baukunstarchiv NRW!