Das Baukunstarchiv NRW zeigt die Ausstellung »ERNST LUDWIG KIRCHNER – VOR DER KUNST DIE ARCHITEKTUR« vom 25. September 2020 bis 20. Dezember 2020.

Das unbekannte Frühwerk des Brücke-Künstlers

Ernst Ludwig Kirchner — mit diesem Namen verbinden sich zuallererst ausdrucksstarke, farbintensive Gemälde und Zeichnungen. Als expressionistischer Künstler weltweit bekannt geworden, umfasst sein Lebensweg auch eine andere Phase: sein Studium der Architektur. Die Ausstellung »Ernst Ludwig Kirchner — Vor der Kunst die Architektur« widmet sich dieser frühen und vielfach noch unbekannten Episode des Expressionisten — der Zeit vor der Kunst. Das Baukunstarchiv NRW zeigt in einer umfassenden Werkschau 95 Originalarbeiten, die Kirchner während seines Studiums an der Königlich Technischen Hochschule Dresden geschaffen hat, und stellt damit den späteren Künstler als jungen Architekten auf eindrückliche Weise vor.

In Aschaffenburg geboren, studierte Kirchner gemeinsam mit seinen Freunden und den späteren »Brücke«-Künstlern Fritz Bleyl, Erich Heckel und Karl Schmidt-Rottluff von 1901 bis 1905 in Dresden und 1903 ein Semester in München Architektur. In dieser Zeit entstand ein Konvolut an Skizzen und Zeichnungen, die sich zwischen Historismus, Jugendstil und dem Reformstil der frühen Moderne bewegen. Seine über zwei Weltkriege hinweg geretteten Studienarbeiten werden nun in einer Gesamtschau präsentiert. Sie umfassen neben klassischen Architekturdarstellungen wie Grundrisse, Ansichten, Schnitte und Perspektiven auch aufwendige Innenraumgestaltungen mit Möbeln, Lampen und Wandgestaltungen.

Ernst Ludwig Kirchner - Entwurf für ein Wohnhaus am Berghang

Ernst Ludwig Kirchner, Entwurf für ein Wohnhaus am Berghang, 2 Ansichten
Bild: Courtesy Galerie Henze & Ketterer & Triebold, Riehen/Basel und Wichtrach/Bern

Faszinierende Einblicke in Kirchners Ausbildung als Architekt

Zu den im Studium bearbeiteten Aufgaben zählen Wohnhäuser, Ateliers, Hotels und Museen. Im Vergleich etwa mit den repräsentativen und opulenten Entwürfen an der Pariser École des Beaux-Arts wird deutlich, wie sehr die Architekturausbildung in Deutschland alltägliche Bauaufgaben und eine von der englischen Arts and CraftsBewegung beeinflusste Kultur des Wohnens in den Mittelpunkt stellte.
In der Wanderausstellung werden drei unterschiedliche Lebensstationen Kirchners an drei Ausstellungsorten in Aschaffenburg, Dresden und Dortmund näher beleuchtet. Im Baukunstarchiv NRW, dem ehemaligen Museum am Ostwall, wird als erste Station das Wirken und der Werdegang Kirchners an einem seiner ersten wichtigen Ausstellungsorte präsentiert. Anhand der Sammlungsgeschichte des Museums werden Werke Kirchners aus Ankäufen und Ausstellungen gezeigt, die auch in enger Verbindung mit der Baugeschichte des Hauses stehen. Im Rahmen der weiteren Stationen im Zentrum für Baukultur Sachsen im Kulturpalast in Dresden wie auch im KirchnerHAUSMuseum in Aschaffenburg stehen dann die Verbindung von Kunst und Architektur während seines Studiums und die Prägungen in seiner Geburtsstadt im Mittelpunkt. Mit seiner 1905 eingereichten Diplomarbeit, dem Entwurf einer monumentalen Friedhofsanlage, schloss Ernst Ludwig Kirchner sein Studium der Architektur erfolgreich ab und beendete gleichzeitig seine Laufbahn als Baukünstler.

Zitate

»Die Ausstellung verdeutlicht die enge Verbindung von Architektur und Kunst zu Beginn des 20. Jahrhunderts«, erklärt Ernst Uhing, Präsident der Architektenkammer NordrheinWestfalen. »Die Architekturarbeiten des jungen Kirchner führen auf anschauliche Weise vor Augen, dass geometrisches Verständnis und die bewusste Wahrnehmung von Raum zu den grundlegenden Fähigkeiten vieler erfolgreicher bildender Künstler gehören.«

»Die ausdrucksstarken und farbintensiven Gemälde Kirchners bedienen sich derselben Farbpalette und ähnlichen Motiven wie schon seine Architekturzeichnungen«, so die Kuratoren Christos Stremmenos und Alexandra Apfelbaum (Co-Kuratorin). »So benannte der spätere Künstler Kirchner als Ziel der Brücke den Versuch, die neue Malerei mit dem Raum in Einklang zu bringen. In der Ausstellung wird deutlich, dass sein Architekturstudium dazu die entscheidende Grundlage geschaffen hat.«

Ausstellung

25. September – 20. Dezember 2020
Baukunstarchiv NRW Dortmund
Ostwall 7, 44135 Dortmund

ÖFFNUNGSZEITEN
Montag geschlossen
Dienstag bis Sonntag 14-17 Uhr
Donnerstag 14-20 Uhr

EINTRITT
regulär 10 €, ermäßigt // Mitglieder des Fördervereins 5 €

HYGIENE- UND SICHERHEITSMASSNAHMEN
Wir haben ein umfassendes Hygienekonzept erarbeitet und bitten Sie, die Vorgaben vor Ort einzuhalten.

FÜHRUNGEN
Öffentliche Kuratorenführungen am 11. und 25. Oktober 2020 jeweils um 15 Uhr.
Anmeldung unter info@baukunstarchiv.nrw
Für weitere Führungsanfragen wenden Sie sich bitte an die Kuratoren Christos Stremmenos und Alexandra Apfelbaum (Co-Kuratorin) unter post@buero-apfelbaum.de

WEITERE AUSSTELLUNGSSTATIONEN
5. Februar 2021 – 4. April 2021 // ZfBK – Zentrum für Baukultur Sachsen im Kulturpalast Dresden, Schloßstr. 2, 01067 Dresden
7. Mai 2021 – 25. Juli 2021 // KirchnerHAUSMuseum Aschaffenburg, Ludwigstr. 19, 63739 Aschaffenburg

Der AUSSTELLUNGSKATALOG erscheint in der Schriftenreihe des Baukunstarchivs NRW.
Weiter Informationen unter Publikationen: Ernst Ludwig Kirchner – Vor der Kunst die Architektur – Katalog (Verlag Kettler)

KURATOR
Christos Stremmenos
studierte Architektur an der Technischen Universität Berlin. Nach Studien- und Praxisaufenthalten in Paris, München, Wien und Berlin ist er seit 2013 wissenschaftlicher Mitarbeiter an der TU Dortmund, wo er am Lehrstuhl Grundlagen der Architektur (GDA) in der Entwurfslehre und am Lehrstuhl Geschichte und Theorie der Architektur (GTA) in Forschungsvorhaben tätig war. Seit 2018 ist er im Auftrag des Lehrstuhls GTA und des Baukunstarchivs NRW am BMBF-Forschungsprojekt Stadt.Bauten.Ruhr. beteiligt. Er projektiert, kuratiert und szenografiert Ausstellungen mit architekturbezogenen Schwerpunkten.

CO-KURATORIN
Prof. i. V. Dr. Alexandra Apfelbaum
ist seit 2009 als freiberufliche Kunst- und Architekturhistorikerin tätig. Seit 2018 hat sie eine Vertretungsprofessur für Geschichte und Theorie von Architektur und Stadt an der Fachhochschule Dortmund inne. Ihr Schwerpunkt sind Forschungen zu den Schnittstellen von Architektur und Kunst im 20. Jahrhundert mit Fokus auf NRW und der Nachkriegszeit. Sie ist Vorstandsvorsitzende des Deutschen Werkbunds NRW und der Initiative Ruhrmoderne.

WEITERE INFORMATIONEN UND PRESSEKONTAKT
Dr. Alexandra Apfelbaum: post@buero-apfelbaum.de / 0177-3211086