Amanda Levete, Regine Leibinger, Suchi Reddy – alle drei verbindet, dass sie Architektinnen sind, die international Bauwerke geplant und realisiert haben. Und dass sie nun – neben weiteren Architektinnen – in der Ausstellung „Testapolis“ in Dortmund in künstlerische Form dargestellt werden – in Form von Portraits und Keramiken. Die dreidimensionalen Terrakotta-Skulpturen stammen von dem Künstler Mutsuo Hirano, die gemalten Werke von Thomas Lange. Ergänzend werden abstrakte Bilder von ausgewählten Bauwerken der Architektinnen ausgestellt. Die Ausstellung „Testapolis“ ist seit dem 14. September und bis zum 22. Oktober 2023 im Baukunstarchiv NRW zu erleben.

Blick in die Ausstellung „Testapolis“.- Foto: Architektenkammer NRW

Das Thema „Architekturschaffende Frauen“ sei gegenwärtig von großer Bedeutung, zeigten sich Besucherinnen und Besucher sowie Redner der Vernissage einig; gleichwohl solle die Ausstellung die Architektinnen ohne weitere Wertung präsentieren. „Wenn wir schon Köpfe und Architekten machen, warum dann nicht auch Architektinnen“, erläuterte Thomas Lange anlässlich der Vernissage den Konzeptgedanken, der sich auch im Ausstellungstitel „Testapolis“ ausdrücke: „Testa“ bedeutet auf italienisch Kopf, „Polis“ beschreibt die antiken griechischen Stadtstaaten.

Für das Künstlerpaar Mutsuo Hirano und Thomas Lange, die in der Nähe des Lago di Bolsena leben und arbeiten, ist die Vielfalt der Polis seit Jahrzehnten Inspiration für das künstlerische Werk. Bei der weiteren Recherche zur Ausstellungsvorbereitung seien nicht nur populäre, sondern auch unbekannte Architektinnen ausgewählt worden. Hintergrund dieser Auswahl seien künstlerische sowie persönliche Präferenzen gewesen. Die Recherche für die Ausstellung wurden in enger Zusammenarbeit mit Markus Lehrmann, dem Geschäftsführer des Baukunstarchivs NRW, und Prof. Dr. Wolfgang Sonne, Wissenschaftlicher Leiter des Baukunstarchivs NRW, abgestimmt. Die ausgestellten Kunstwerke seien vorrangig in den letzten zwei Jahren entstanden, erklärten Thomas Lange und Mutsuo Hirano. „Es war schon auffallend, dass wir bei der Recherche in erster Linie auf männliche Architekten getroffen sind“, berichtete Thomas Lange.

Sprachen zur Vernissage (v.l.:) Markus Lehrmann, Geschäftsführer Baukunstarchiv NRW, Prof. Dr. Wolfgang Sonne, Wissenschaftlicher Leiter Baukunstarchivs NRW, Dr. Jacques Heinrich, Leiter Kunst im öffentlichen Raum der Stadt Dortmund, Thomas Lange, Künstler, und Mutsuo Hirano, Bildhauer. – Foto: Architektenkammer NRW

Die Ausstellung „Testapolis“ im Baukunstarchiv NRW wird um weitere Projekte des Künstlerpaares ergänzt, die das Thema Frau und Kunst aufgriffen; so werden auch Werke aus der Reihe „Familie“ von Thomas Lange gezeigt. Die Gemälde beeindrucken dabei vor allem durch eine intensive Farbgebung. „Wir stehen hier im Herbstanfang inmitten einer Blumenwiese“, ergänzte Markus Lehrmann, Geschäftsführer des Baukunstarchivs NRW, anlässlich der Vernissage in Dortmund mit Blick auf die farbigen Bilder und Skulpturen.

Blick in die Ausstellung

Blick in die Ausstellung „Testapolis“.- Foto: Architektenkammer NRW

Lange und Hirano arbeiten seit den 1990er-Jahren zusammen. Das Künstlerpaar präsentierte bereits in der Vergangenheit gemeinsame Projekte, unter anderem zum Schwerpunkt Architektur sowie Kunst im öffentlichen Raum. 2014 zeigten sie die Ausstellung „Kunst Bauen“ in der ARCHITEKTENKAMMER.NRW.

Mit Blick auf bereits realisierte Kunstprojekte von Hirano und Lange thematisierte Dr. Jacques Heinrich, der Leiter des Bereichs „Kunst im öffentlichen Raum“ der Stadt Dortmund, anlässlich der Vernissage die Bedeutung von Kunstwerken in der Stadtgestaltung. „Kunst in Städten muss als öffentlicher Auftrag verstanden werden, der für die Gesellschaft von großer kultureller Bedeutung ist.“ Auch Prof. Dr. Wolfgang Sonne betonte im Rahmen eines Künstlergesprächs auf der Vernissage, dass Kunst die Wertschätzung von städtischen Räumen und gebauter Umwelt insgesamt unterstreichen könne.

Testapolis – eine wachsende Ausstellung?

Die Ausstellung „Testaopolis“, die auch bei der „21. DEW-Museumsnacht“ am 23.09.23 zu erleben war, wird bis zum 22. Oktober im Baukunstarchiv NRW gezeigt. Die Künstler Thomas Lange und Mutsuo Hirano erklärten, dass die Ausstellung um weitere Portraits von Stadtplanerinnen und Architektinnen – möglicherweise auch mit weiteren Schwerpunkten – ergänzt werden könne. „Jede Anregung dazu kann uns als Inspiration dienen“, so Thomas Lange. Weitere Stationen für die Ausstellung seien bereits in Planung.

Text: Melina Beierle/ Architektenkammer NRW