Vor 70 Jahren, am 4. Februar 1956, eröffnete das Stadttheater Münster als erster vollständiger Theaterneubau in der Bundesrepublik Deutschland. Schon 1950, während der Wiederaufbau der kriegszerstörten Münsteraner Innenstadt noch in vollem Gange war, hatte der Rat der Stadt den Bau eines Theaters beschlossen. Der ursprünglich geplante neoklassizistische Entwurf des städtischen Baurats Edmund Scharf konnte jedoch aus wirtschaftlichen Gründen nicht realisiert werden.

Zeichnung des Stadttheaters Münster: Lageplan mit Perspektivzeichnung; Urheber: Architektenteam Münster (Deilmann, von Hausen, Rave, Ruhnau); Quelle: Baukunstarchiv NRW, Bestand Harald Deilmann

Stadttheater Münster: Lageplan mit Perspektivzeichnung; Urheber: Architektenteam Münster (Deilmann, von Hausen, Rave, Ruhnau); Quelle: Baukunstarchiv NRW, Bestand Harald Deilmann

Erst das Engagement von Presse und Bürgerschaft bewirkten, dass sich die Planungen 1952 konkretisierten und ein offener Wettbewerb ausgeschrieben wurde. Diesen konnte das junge „Architektenteam Münster“, zu dem sich Harald Deilmann, Max von Hausen, Ortwin Rave und Werner Ruhnau zusammengeschlossen hatten, für sich entscheiden. Sie überzeugten mit einem modernen Entwurf, der im Kontrast zur historischen Bebauung seiner Umgebung steht.

Über dem Sockelgeschoss erheben sich zwei einander geschobene, elliptische Baukörper: der Bühnenturm und das Zuschauerhaus, dessen Foyer sich mit einer verglasten Fassade zur Stadt öffnet.  Der Zuschauerraum mit 955 Plätzen wird von einem „Sternenhimmel“ aus 1.200 Wohnzimmerleuchten erhellt. Im Innenhof mit dem Theatercafé wurde eine Wand der Ruine des Vorgängerbaus integriert. Den Haupteingang markiert die Raum-Zeit-Plastik von Norbert Kricke.

Zeichnung des Stadttheater in Münster: Schnitt durch das Gebäude und den Zuschauerraum; Urheber: Architektenteam Münster (Deilmann, von Hausen, Rave, Ruhnau); Quelle: Baukunstarchiv NRW, Bestand Harald Deilmann

Stadttheater Münster: Schnitt durch das Gebäude und den Zuschauerraum; Urheber: Architektenteam Münster (Deilmann, von Hausen, Rave, Ruhnau); Quelle: Baukunstarchiv NRW, Bestand Harald Deilmann

Mit Werner Ruhnau (1922–2015) und Harald Deilmann (1920–2008), der das Architektenteam schon 1955 vor Eröffnung des Theaters verließ, sind zwei der beteiligten Architekten in der Sammlung des Baukunstarchivs NRW vertreten. In ihren Nachlässen finden sich Originalpläne, bauzeitliche Fotos und weitere Dokumente, anhand derer sich die Entstehungsgeschichte des Gebäudes nachvollziehen lässt. Mehr Informationen zu den Beständen der Sammlung des Baukunstarchivs NRW finden Sie hier.

Text: Dr. Christine Kämmerer, 04.02.2026