Wie können Erfahrungen und Gedanken in Kunstwerken widergespiegelt werden? – Einblicke und Antworten darauf möchte die neue Ausstellung „Im ewigen Jetzt – Sammlungen und Verwandlungen“ des Künstlers Davoud Sarfaraz geben, die bis zum 19. Juli 2026 im Baukunstarchiv NRW (BKA NRW) in Dortmund zu sehen ist.
Bei der Eröffnung am 9. Mai kamen rund 200 Interessierte zusammen, die näher in die Geschichten hinter den großformatigen Kunstwerken aus der 50-jährigen Schaffenszeit des Dortmunder Künstlers Davoud Sarfaraz eintauchen wollten.
Der Künstler könne dabei als „zwischen den Welten Wandelnder“ beschrieben werden, erklärte Christos Stremmenos, der die Schau kuratiert: Geboren in Teheran und zum Teil in Dasht-e Kavir (Iran) aufgewachsen, war der Künstler jahrelang der schier unendlichen Weite der Salzwüste ausgesetzt.

Foto: Detlef Podehl/Baukunstarchiv NRW
Die ausgestellten Werke erstrecken sich über mehrere Etagen des Lichthofs; präsentiert werden sowohl neuere Bilder des Künstlers; aber auch Gemälde, die Sarfaraz im Iran – vor seiner Flucht nach Deutschland (1987) – geschaffen hat. Die Kunst sei seit über fünfzig Jahren immer ein wichtiger Wegbegleiter für Sarfaraz gewesen – ab 1976 studierte er an der Kunstakademie Teheran. Sarfaraz untermauerte: „Ohne Kunst ist das Leben grau; Kunst bringt die Feinheiten.“ Und weiter: „Ich muss das Leben tief erleben.“ Möglich sei dieses „Erleben“ auch durch den Entstehungsprozess sowie durch den Ausdruck seiner Werke.
Ein Leben im Ruhrgebiet
Nach seiner Emigration Ende der 1980er Jahre nach Deutschland lebte der Künstler mit seiner Familie zunächst in Bochum, und ab 1995 dann in Dortmund. Die Kunst sei für ihn ein „Ausgleich zum Alltag und eine Auszeit von gesammelten Erfahrungen.“ Häufig würden Gedanken sowie Erlebnisse in seine Werke mit einfließen, teilweise auch unterbewusst.

Ullrich Sierau (Oberbürgermeister der Stadt Dortmund a. D.) sprach als Impulsgeber zur Vernissage. – Foto: Detlef Podehl/Baukunstarchiv NRW
„Davoud Sarfaraz ist ein herausragender Vertreter migrantischer Kunst in Dortmund“, würdigte Ullrich Sierau (Oberbürgermeister der Stadt Dortmund a. D.) anlässlich der Ausstellungseröffnung das Schaffen des Künstlers.
Bedeutung von Raum und Farbe
Sarfaraz wuchs teilweise in einer Wüstenregion auf: Häuser und Siedlungen waren hier im breiten Raum der Wüste Dasht-e Kavir eingebettet. Licht und Schatten unterstrichen in dieser Landschaft die Bedeutung von Objekten und Bauten, sagte der Ausstellungskurator Christos Stremmenos weiter.
Der Künstler selbst erklärte: „Man sieht, man hört, man spürt – und diese Informationen sammeln sich im ‚Inneren‘.“ Auch die gebaute Umwelt wirke auf den Menschen und auf die entstehende Kunst unmittelbar mit ein, so Sarfaraz weiter. Davoud Sarfaraz hätten die Bauwerke und Bautechniken im Iran geprägt; darunter auch Bauarten, die auf ein spezielles Klima zurückzuführen sind – Bauweisen, die in Deutschland nicht gängig seien.

Sprachen zur Eröffnung: Geschäftsführer Markus Lehrmann (BKA NRW, l.) und der Künstler Davoud Sarfaraz. – Foto: Detlef Podehl/Baukunstarchiv NRW
Als Dortmunder Künstler beschäftigen ihn heute aber auch urbane Einflüsse, insbesondere das Ruhrgebiet. – All das sei miteinander verwoben und fließe in künstlerische Prozesse mit ein.
„Die Gemälde von Sarfaraz reagieren häufig auf erlebte Raumerfahrungen – und architektonische Elemente werden in seinem Œuvre zu prägenden Bedeutungsträgern“, so Markus Lehrmann (Geschäftsführer Baukunstarchiv NRW) im Rahmen der Vernissage.
Gegenwart im Lichthof
Erfahrungen und damit einhergehende Zäsuren des Künstlers sollen auch in der Präsentation in den Räumlichkeiten des BKA NRW aufgegriffen werden, erklärte der Ausstellungskurator Stremmenos fortführend.
In der Präsentation erleben die Besucherinnen und Besucher ein speziell konzipiertes Raumerlebnis, welche ein „Davor“ und „Danach“ erlebbar machen soll. – „Hinter einem Schleier wird eine Auswahl aus der im Iran entstandenen Werken gezeigt. In einem zweiten räumlich getrennten Bereich wird das in der Bundesrepublik Deutschland entstandene Werk präsentiert“, erklärte Christos Stremmenos fortführend.

Untermalt wurde die Vernissage durch einen musikalischen Akt. – Foto: Detlef Podehl/Baukunstarchiv NRW
Die Schau im Baukunstarchiv NRW dokumentiert somit auch, wie biografische Brüche und spirituelles Sammeln für Davoud Sarfaraz immer wieder dazu geführt haben, sich zu wandeln und neue Wege des künstlerischen Ausdrucks zu suchen.
Sarfaraz untermauerte: „Kunst kann auch tiefere Gefühle zeigen.“ Präsentiert würden bei „Im ewigen Jetzt“ auch farbprächtige Bilder – mit denen das Leben, die Freiheit und der Raum zelebriert werden sollen, so der Künstler abschließend.
Begleitprogramm: Im Rahmen der Werkschau „Im ewigen Jetzt“ findet am 12. Juni 2026 eine Midissage im Baukunstarchiv NRW statt. Angeboten werden Vorträge sowie die Vorführung des Dokumentarfilms „Seelenbad“ – über den Künstler Davoud Sarfaraz – in Gegenwart des Regisseurs Ahmad Nikazar. Eintritt frei. Anmeldung unter: info@baukunstarchiv.nrw
„Davoud Sarfaraz – Im ewigen Jetzt – Sammlungen und Verwandlungen“. Laufzeit: 10. Mai bis 19. Juli 2026 im Baukunstarchiv NRW (Ostwall 7, 44137 Dortmund). Öffnungszeiten: Di bis So 14:00 – 17:00 Uhr, Mo geschlossen. Eine Publikation zur Ausstellung wird im Nachgang im Verlag Kettler (Dortmund) erscheinen.
Text: 19.05.2026, Melina Beierle
