Unter dem Titel „Under Broken Skies. Ukrainisch-deutsches Kulturerbe an der Frontlinie“ zeigt das Baukunstarchiv NRW in Dortmund eine neue Fotoausstellung. Präsentiert werden Aufnahmen aus den von Russland überfallenen Kriegsgebieten im Osten der Ukraine sowie Archivmaterial aus Beständen des „Museums für russlanddeutsche Kulturgeschichte“ in Detmold. Die aktuellen Aufnahmen stammen aus dem Fotografie-Wettbewerb „Wiki Loves Monuments“. Die Ausstellung spürt deutscher Baukultur in der Ukraine nach – und dokumentiert die Spuren des Krieges.

Menschen sitzen in einem Raum, eine Person fotografiert die Situation mit einem Smartphone.

Bei der Vernissage wurden Impulse und offene Gesprächsrunden angebonten. – Foto: Architektenkammer NRW

„Die Bilder machen die Bedrohung dieses Erbes und der Baukultur in der Ukraine sichtbar“, erklärte Prof. Dr. Wolfgang Sonne, wissenschaftlicher Leiter des Baukunstarchivs NRW, im Rahmen der Vernissage am 25. Juni in Dortmund. Zahlreiche Kulturstätten in der Ukraine lägen heute in Trümmern. Einige der Bauwerke, die in der Ausstellung gezeigt werden, befänden sich in Regionen, die nun teilweise nicht mehr zugänglich seien, etwa Fotografien aus den Gebieten rund um Cherson und Saporischschja. Damit komme der Ausstellung auch ein wissenschaftlicher Charakter zu, erklärte Prof. Sonne, denn: „Aufgabe des Baukunstarchivs NRW ist es, Dokumente über baukulturelles Erbe langfristig zu bewahren und aufzuarbeiten.“

Die Schau ist ein gemeinsames Projekt vieler Institutionen und Partner*innen; zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter waren bei der Vernissage vor Ort (v.l.): Prof. Dr. Barbara Albert (Universität Duisburg-Essen), Prof. Dr. Kornelia Freitag (Ruhr-Universität Bochum), Prof. Dr. Tessa Flatten (Universitätsallianz Ruhr), Elena Resch (Universitätsallianz Ruhr, Liaison Office Osteuropa/Zentralasien), Prof. Dr. Wolfgang Sonne (Baukunstarchiv NRW), Prof. Dr. Barbara Welzel (TU Dortmund), Edwin Warkentin (Museum für russlanddeutsche Kulturgeschichte), Irina Unruh (Kuratorin) und Prof. Dr. Manfred Bayer (TU Dortmund). – Foto: AKNW

Neben den Fotos von Bauwerken werden Landkarten ausgestellt, die zur geografischen Orientierung dienen. Texttafeln sowie Ausschnitte aus dem Essay „Bloodland Memorial“ des Autors Robert Faber wollen Einblicke in die aktuelle Lage in der Region geben. Das Archivmaterial aus dem „Museum für russlanddeutsche Kulturgeschichte“ wiederum zeigt Aufnahmen, die vor Kriegsbeginn entstanden sind. Die Schau präsentiert so eine Zusammenstellung aus unterschiedlichen Zeitstufen – und unternimmt den Versuch, die Besucher mit auf Reise durch die vielfältige und historisch bewegte Region zu nehmen. Ein begleitender Ausstellungskatalog gibt weitere Informationen zu ausgestellten Fotografien und schildert Hintergründe. Dabei wird deutlich, wie stark die ukrainische und die deutsche Geschichte miteinander verbunden ist.

Bilder an einer Wand gerahmt.

Gezeigt werden u.a. Fotos, Texttafeln und Archivmaterial. – Foto: AKNW

Die Schau im Baukunstarchiv NRW greife auch aktuelle Entwicklungen in der Ukraine auf, erklärte die Kuratorin Irina Unruh: „Die Zerstörung von Kulturstätten hinterlässt unwiederbringliche Wissenslücken, da sie nicht nur materielle Güter, sondern auch kollektive Geschichten und Identitäten auslöscht und damit Geschichtsumdeutungen begünstigt. Die Ausstellung macht diese gemeinsame europäische Geschichte sichtbar und unterstreicht, dass ihr Erhalt eine geteilte Verantwortung ist.“ Die Kuratorin Irina Unruh arbeitet selbst als Dokumentarfotografin; ihre Arbeiten wurden international in zahlreichen Ausstellungen präsentiert und prämiert.

Zwei Personen stehen vor Foto- und Texttafeln und schauen sich eine Ausstellung an.

Foto: Architektenkammer NRW

Die Ausstellung in Dortmund will auch sensibilisieren und zugleich der Frage nachgehen, wie Architektur und Baukultur bewahrt oder zu einem späteren Zeitpunkt rekonstruiert werden könnten. „Under Broken Skies“ wurde vorab im Museum für russlanddeutsche Kulturgeschichte in Detmold gezeigt.

Die Präsentation ist ein gemeinsames Projekt des Kulturreferates für Russlanddeutsche am Museum für russlanddeutsche Kulturgeschichte, des Vereins DEPART und des Rates der Deutschen in der Ukraine; organisiert von der TU Dortmund, dem Liaison Office Osteuropa/Zentralasien der Universitätsallianz Ruhr und dem Baukunstarchiv NRW.

Laufzeit: 26. Juni bis 09. August 2026 im Baukunstarchiv NRW in Dortmund. Öffnungszeiten: Di bis So 14:00 – 17:00 Uhr, Mo geschlossen. Weitere Informationen zur Ausstellung finden Sie hier.

Hintergrund zum Wettbewerb „Wiki Loves Monuments“: Im Rahmen des internationalen Wettbewerbs werden Teilnehmer*innen dazu aufgerufen, Baukultur, darunter Kultur- und Baudenkmäler, fotografisch festzuhalten. Die Aufnahmen werden online präsentiert. Die Fotografien, die im Rahmen der Schau „Under Broken Skies“ zu sehen sind, stammen aus einem Wettbewerb, der 2023 in der Ukraine ausgerufen wurde.

Text: 26.06.2026