Foto (Ausschnitt): Detlef Podehl

Projektverlauf und Aktivitäten von Stadt Bauten Ruhr

Februar 2019

Workshop im Baukunstarchiv

Zum Auftaktworkshop traf sich die Projektgruppe im Baukunstarchiv zur gemeinsamen Sichtung und Auswahl des Forschungsmaterials. Unterstützung kam von Dr. Hans H. Hanke, Wissenschaftlicher Referent am Landesamt für Denkmalpflege Westfalen undLehrbeauftragter am Kunstgeschichtlichen Institut der Ruhr-Universität Bochum.

April 2019

Seminarstart „Kirchen im Ruhrgebiet“

Zehn Kirchen standen im Fokus des ersten Seminars zu „Stadt Bauten Ruhr“: Ob die expressionistische Heilig-Kreuzkirche von Josef Franke in Gelsenkirchen, das Wiederaufbauprojekt der Johanneskirche von Herwarth Schulte in Dortmund oder die vom Innovationsgeist ihrer Zeit geprägte St. Suitbertkirche von Josef Lehmbrock und Stefan Polónyi in Essen-Überruhr – alle zehn Bauwerke stehen beispielhaft für denvielfältigen Kirchenbau der Moderne und Spätmoderne im Ruhrgebiet. Gemeinsame Seminar- und Exkursionsveranstaltungen für Studierende der Architektur und des Städtebaus sowie des Lehramts Kunst eröffneten die Möglichkeit Betrachtungsweisen, Methoden und Schwerpunktsetzungen der jeweils anderen Studiendisziplin kennenzulernen und das Vorhaben einer vernetzten Lehre weiter zu vertiefen.

Zunächst galt es den subjektiv erfahrenen Ort, den die Kirche umgebenden städtischen Kontext, durch eine vorzunehmende Kartierung zu beschreiben. In einer zweiten Übung wurden die Bauwerke über Objekte aus den Beständen des Baukunstarchivs NRW erforscht. Pläne, Modelle, Skizzen, Akten, Fotos, Microfilme aus den Nachlässen der Architekten und Planer eröffneten neue Sichtweisen zu den zuvor im Stadtraum physisch erlebten Bauten. Die Auseinandersetzung mündete in der Erstellung von Audioguides, die den Grundstock für „Mapping Baukunstarchiv“ bilden, einen geplanten Audioguide, der bedeutende Bauten, vertreten im Baukunstarchiv, präsentieren soll.

Vortrag von Dr. Niklas Gliesmann (Institut für Kunst und Materielle Kultur, TU Dortmund) in der St. Nicolai-Kirche, Dortmund

In seinem Vortrag zu „Liturgie und Kirchenraum“ zeigte Niklas Gliesmann, dass Architekt*innen von Sakralbauten in besonderem Maße einen Raum für stark ritualisierte Handlungen schaffen. Um zu verdeutlichen, dass Neuerungen in der Gestaltung dieser Räume nicht erst in der Nachkriegszeit und mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil eingeleitet wurden, setzte Niklas Gliesmann bei der Liturgischen Bewegung des frühen 20. Jahrhunderts an. Dieser Bogen von der Liturgischen Bewegung bis zur Zeit des Zweiten Vatikanischen Konzils zeigte auf, dass die Liturgie selbst ständiger Veränderung unterliegt und von gesamtgesellschaftlichen Veränderungen beeinflusst wird. Die St. Nicolai-Kirche stellte nicht nur die Kulisse, sondern wurde während des Vortrages immer wieder als Beispiel herangezogen; auch um der im Vortrag fokussierten katholischen Perspektive die evangelische Bautradition beizustellen. So wurde ein wichtiges Fundament für die inhaltliche Auseinandersetzung mit Sakralbauten gelegt und gleichzeitig ein bedeutender Sakralbau der Stadt Dortmund auf der mentalen Karte der Studierenden verortet.

Forschungstreffen im Museum Folkwang, Essen

Die Projektgruppe traf sich im Museum Folkwang mit René Grohnert, Leiter des Deutschen Plakatmuseums. Beim Besuch der aktuellen Plakat-Ausstellung „Emil Pirchan. Plakat – Bühne – Objekt“ ging es unter anderem um museale Präsentationsstrategien und Aufbewahrungskonzepte im Depot.

Exkursion zur Kirche St. Reinoldi, Dortmund

Bei der Exkursion zur Kirche St. Reinoldi in der Dortmunder Innenstadt stand der Audioguide im Fokus. Im Rahmen einer Besichtigung des Kirchturms wurde diskutiert, wie Informationen über das Bauwerk für potentielle Hörer eines Audioguides aufbereitet werden können.

Mai 2019

Vortrag vom Diözesanbaumeister Thomas Tebruck

Exkursion zu den Kirchen Liebfrauen und St. Barbara, Duisburg

150 der 300 Kirchen im Bistum Essen stammen aus der Nachkriegszeit und bilden einen bedeutenden Teil des baukulturellen Erbes der Region – aktuell bedroht durch Schließung und Abbruch. Neben der Darstellung dieser aktuellen Entwicklung im Bistum Essen beleuchtete der Diözesanbaumeister Thomas Tebruck in seinem Vortrag die Geschichte der Kirchenbaukunst im gesellschaftlichen Wandel. Bauliche Neuerungen der Nachkriegszeit konnte der Diözesanbaumeister sogleich vor Ort am Beispiel der Liebfrauenkirche erläutern. Neben dieser Innenstadtkirche besuchte die Gruppe St. Barbara in Duisburg-Rheinhausen, aktuell von Abriss bedroht und wie Liebfrauen vom Architekten Toni Hermanns entworfen. Die Untersuchung beider Kirchen vor Ort wurde komplettiert durch die Arbeit am Nachlass Hermanns im Archiv und mündete in den Aufbau des Audioguides „Mapping Baukunstarchiv“.

Juni 2019

Exkursion zum Museum Folkwang und zur Kirche St. Suitbert, Essen

Im Museum Folkwang diskutierten die Studierenden die Darstellung von Architektur in der Kunst anhand von Originalen. Dr. Tobias Burg, Kurator der Grafischen Sammlung, hatte Kupferstiche, Holzschnitte, Radierungen sowie grafische Arbeiten in Tusche und Lack ausgesucht, die, größtenteils ungerahmt, in allen Einzelheiten studiert werden konnten. Thomas Seelig, Leiter der Fotografischen Sammlung, zeigte Fotografien der letzten 150 Jahre, an denen der Wandel des Mediums – von der Daguerreotypiebis zur Digitalisierung – diskutiert wurde. Nach einem Rundgang durch das Museum besuchte die Gruppe die Kirche St. Suitbert in Essen-Überruhr, wo sie vom Gemeindemitglied Werner Friese spannende Erläuterungen zur Baugeschichte, Sanierung und Umgestaltung des bedeutenden Kirchenbaus erhielt.